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Seminar: 10-GER-MA-B1-03 Rainer Maria Rilke und die Moderne - Details

Seminar: 10-GER-MA-B1-03 Rainer Maria Rilke und die Moderne - Details

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Allgemeine Informationen

Veranstaltungsname Seminar: 10-GER-MA-B1-03 Rainer Maria Rilke und die Moderne
Untertitel
Veranstaltungsnummer 10-GER-MA-B1-03
Semester SoSe 2026
Aktuelle Anzahl der Teilnehmenden 20
erwartete Teilnehmendenanzahl 30
Heimat-Einrichtung Germanistik
Veranstaltungstyp Seminar in der Kategorie Lehre
Nächster Termin Donnerstag, 28.05.2026 12:15 - 13:45, Ort: GW1 B1070
Art/Form
Englischsprachige Veranstaltung Nein

Räume und Zeiten

GW1 B1070
Donnerstag: 12:15 - 13:45, wöchentlich (13x)

Modulzuordnungen

Kommentar/Beschreibung

Rainer Maria Rilkes Werk ist vielfach aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht worden. Nicht allein aus Anlaß seines einhundertsten Todestages erscheint es lohnenswert, sein Werk unter über-geordneten Gesichtspunkten erneut in zentralen Ausschnitten zu diskutieren. Rilkes Werk entsteht in einer Umbruchsepoche, die sich von den in Auflösung begriffenen Monarchien über die technisch-industrielle Moderne bis zum ersten Weltkrieg und dessen Verarbeitung erstreckt und bereits Perspektiven entwickelt, die auch auf den sich langsam abzeichnenden Nationalsozialismus an-wendbar sind. Das Seminar II soll seinen Schwerpunkt auf die Verarbeitung der Umbrüche legen und besonders die Auseinandersetzung der Texte mit der technisch-zivilisatorischen Moderne in den Mittelpunkt stellen. Dieses Modernebild soll auf seine Verarbeitung mit den Mitteln der ästhetischen Moderne hin untersucht werden. Ausgewählte Passagen von Rilkes Hauptwerken zu diesem Themenkomplex sollen die Materialgrundlage für die Seminararbeit liefern.
U.a. Thomas Anz und Walter Müller Seidel haben für die Zeit der Jahrhundertwende bis zur neuen Sachlichkeit auf die für die Literatur konstitutive Differenz eines Modernekonzepts, das auf technischem Fortschritt und neuen gesellschaftlichen Strukturmomenten beruht, zu den Formen der modernen Ästhetik hingewiesen, die sich praktisch gleichzeitig entwickeln. Von dieser Divergenz aus nimmt die Arbeit des Seminars ihren Beginn. Die Leitfrage zielt auf die Ebene der oftmals ästhetisch innovativen Form und des Inhalts der Texte zur Verarbeitung der durch technische (u.a. Medien, Stadtentwicklung und Verkehr) und zivilisatorische (Massengesellschaft, Massenmedien, Angestelltenkultur) Entwicklungen veränderten Lebenswelt.
Nach einer Einführung in diese Themenfelder u.a. am Beispiel von Langs Film Metropolis auf der Grundlage der Arbeiten von Anz, Kimmich und Wilke sollen Auszüge aus Rilkes Neuen Gedichten einen ersten Schwerpunkt der Auseinandersetzung mit seinem Werk bilden. Zwei Themenfelder sollen diese Auseinandersetzung strukturieren, einerseits die auf die neue Wahrnehmung der Wirklichkeit angesichts des Moderneschocks reagierenden Dinggedichte, andererseits die Gedichte zur neuen Rolle der Dichtung und ihrer Konsequenzen für die Bilder der Menschen.
Rilkes Fünf Gesänge reagieren unmittelbar auf den Ausbruch des ersten Weltkriegs 1914 und sind zum Teil vom Autor in die gerade erschienene Hölderlinausgabe von Norbert von Hellingrath eingetragen worden. Diese beiden Aspekte – der Krieg als extreme Erfahrung der Moderne und die Basis der Auseinandersetzung in Hölderlins Lyrik – sollen die Arbeit am Text leiten. Der Roman "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" kann als zentrales Werk der deutschen Romanliteratur in der Auseinandersetzung mit der Moderne um 1900 gelten, der Schwerpunkt der Seminardiskussion soll deshalb auf die Moderneerfahrung im ‚Sehenlernen‘, auf die Problematik der Kunst auf der In-halts- sowie Darstellungsebene gelegt werden. Außerdem sollen die Rolle der Frauenfiguren, die Sozialstrukturen und schließlich die Schlußgebung in die Diskussion einbezogen werden.
Die beiden Gedichtsammlungen des Spätwerks sollen als Fortführung der Modernethematik gelesen werden. Die Textauswahl richtet sich deshalb auf die Themen, die bereits im Seminar diskutiert wurden. Die Arbeit des Seminars soll sich auf Weiterentwicklungen dieser Themen konzentrieren. Die Sonette an Orpheus sollen auf die Dichterproblematik hin diskutiert werden sowie auf die Ökonomie- und Technikkritik. Die Duineser Elegien sollen als Verarbeitung des ersten Weltkriegs u.a. mit intertextuellen Beziehungen zu Nietzsches Werk gelesen werden. Abschließend zu diskutieren ist, inwiefern diese beiden thematisch eher divergenten Themenbereiche sich zueinander verhalten, d.h. der Rückblick auf ein antikes Bild der Integration in die Natur und eine Orientierung verleihende Dichtung (Orpheus) im Gegensatz zu einer Desintegrationserfahrung, die auch die Rolle von Literatur und Kultur umfaßt.

Die Textgrundlage bildet die Ausgabe von Engel:
Rainer Maria Rilke. Kommentierte Ausgabe in vier Bänden. Hg.v. Manfred Engel, Frankfurt a.M. 1996ff. (in der Bibliothek vorhanden)

Anmeldemodus

Die Auswahl der Teilnehmenden wird nach der Eintragung manuell vorgenommen.

Nutzer/-innen, die sich für diese Veranstaltung eintragen möchten, erhalten nähere Hinweise und können sich dann noch gegen eine Teilnahme entscheiden.